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Maurice Emunds, LL.M.
08. August 2017

Wann müssen Influencer und Blogger Werbung in Social-Media-Kanälen kennzeichnen?

Maurice Emunds, LL.M. Rechtsreferendar

Youtuber, Blogger und Influencer stellen die neue Generation medialer Idole dar. Sie berichten über Mode, Essen, angesagte Locations und selbst Hausbau und Schwangerschaft werden durch tägliche Videos begleitet. Ihre Fangemeinde wächst indessen rasant an, so dass allein die größten Youtuber in Deutschland über vier Millionen Dauer-Abonnenten haben, deren einzelne Videos sogar Klickzahlen von über zehn Millionen verzeichnen. Das sind regelmäßige Publikumsquoten, die aktuell kaum ein anderes Medienformat als Werbefläche bieten kann.

Daher stellen namenhafte Hersteller ihre Produkte gerne den populären Kanal- und Accountbetreibern zur Verfügung, damit diese bei möglichst jedem Video oder Schnappschuss das Produkt werbewirksam platzieren oder im Idealfall sogar ausschließlich über das Produkt berichten. Die großen Stars der Branche haben sogar eigene Produktlinien entwickelt und vertreiben diese über ihre Kanäle.

Abmahnung bei Schleichwerbung?

Doch ist auch bei Social-Media-Präsenzen, die vielleicht vor kurzem noch ein kleines privates Freizeitprojekt waren oder es aktuell auch noch sind, aus wettbewerbsrechtlicher Sicht besondere Vorsicht geboten, wenn Produkte platziert oder aktiv beworben werden.

So müssen solche Productplacements oder Werbevideos auch unzweifelhaft als solche gekennzeichnet sein, um nicht dem Vorwurf der Schleichwerbung zu unterliegen. Im Falle einer solchen besteht sonst, insbesondere bei Seiten mit großer Reichweite die Gefahr eine Abmahnung zu erhalten.

Bei einem reinen Werbevideo sollte daher beispielsweise ein Banner mit „Werbevideo“ oder „gesponserte Anzeige“ dauerhaft eingeblendet werden. Ähnlich wie Stefan Raab einst seine TV-Großveranstaltungen aufgrund der massiven Werbepräsenz an sämtlichen Gegenständen als „Dauerwerbesendung“ kennzeichnete.

Sofern die Werbung oder Produktplatzierung nur einen abgrenzbaren Teil des Formates darstellt, ist es ausreichend entsprechend bei diesem Teil auf die Werbung zu verweisen.

Rechtslage unklar

Bislang existiert noch keine einheitliche Rechtsprechung, ab wann eine Kennzeichnung ausreichend ist. Unstreitig ist nur, dass die Kennzeichnung ohne Umwege und gut erkennbar sein muss. Bislang gelten vor allen Dingen die Kennzeichnungen „gesponsert“ und „Anzeige“ als ausreichend, während ihre englischen Pendants „sponsored“ und „ad“ in Deutschland teilweise als unzureichend betrachtet werden.

Jedoch reagieren auch die großen sozialen Netzwerke bereits auf diese Anforderung. So hat beispielsweise Facebook bereits die Option zur Kennzeichnung eingeführt und auch Instagram plant ein entsprechendes Feature.

Solange die Rechtslage zu den Anforderungen der Kennzeichnung weiterhin unklar ist, sollte jedoch auch bei zweifelhafter Kennzeichnung im Falle einer Abmahnung nicht ohne kritische Prüfung eine strafbewährte Unterlassungserklärung abgegeben werden, da aufgrund der hohen regelmäßigen Postings einer solchen Seite die Wiederholungsgefahr einer fehlenden Markierung besonders hoch ist und dann meist noch höhere Vertragsstrafen fällig werden.

 

Bei weiteren Fragen zu dieser Thematik melden Sie sich gerne bei mir unter emunds@daniel-hagelskamp.de oder über meine Mitarbeiterin, Frau Bur unter der Telefon-Nr.: 0241/94621-128.

 

Maurice Emunds
Rechtsreferendar

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